Die ausführliche Einordnung Welche Fälle wir einordnen →
Am 21. August kaufte Carsten Cramer, Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, BVB-Aktien für 10.614,59 € zu 3,22 € — ausgeführt über Trade Republic. Drei Tage später legte er über Quotrix für weitere 40.253,40 € zu 3,21 € nach, zusammen 50.868 €. Am selben 24. August kaufte Aufsichtsratsmitglied Bernd Geske 60.000 Aktien zu 3,19 € über XETRA, 191.400 €. Beide Meldungen gingen am 26. und 27. August ein; zusammen stehen 242.268 € in der Kaufspalte.
Die Tage sind die Tage des Saisonstarts. Am 22. August spielte Dortmund im eigenen Stadion den Franz-Beckenbauer-Supercup gegen Bayern München, am 29. August begann für den Vizemeister der abgelaufenen Saison die Bundesliga mit dem Heimspiel gegen den Hamburger SV. Cramers erster Kauf fiel auf den Tag vor dem Supercup, die beiden anderen auf den Montag danach. Der Kurs lag dabei bei 3,19 bis 3,22 € — rund 12 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,67 € vom 29. August 2025 und gut 8 % über dem Tief von 2,96 € vom 20. März 2026.
Das Neue an diesem Vorgang ist Cramer. In den BaFin-Daten seit Juli 2025 hat kein Mitglied der BVB-Geschäftsführung eigene Aktien gemeldet — alle neun bis dahin erfassten Käufe stammen von Geske. Auch die Handelswege sprechen für einen privaten Vorgang und gegen eine Zuteilung: Trade Republic und Quotrix sind Wege, die Privatanleger nehmen, und der Betrag beim ersten Kauf ist mit 10.614,59 € krumm bis auf den Cent.
Geskes Käufe sind dagegen Routine — interessant ist an ihnen die Preisspur. Seit Juli 2025 hat er in neun Vorgängen gut 1,03 Mio. € in BVB-Aktien gesteckt, und er tat es jedes Mal tiefer: 3,66 und 3,67 € Ende August 2025, 3,60 und 3,62 € Anfang Oktober, 3,31 bis 3,34 € im Dezember, jetzt 3,19 €. Wer so kauft, mittelt einen fallenden Kurs — eine Aussage über die eigene Bereitschaft, den Weg mitzugehen, nicht über den nächsten Kurs. Eine Fußnote zur Beteiligung: Die 12,77 %, die unser Register Geske zurechnet, stammen aus einer Stimmrechtsmeldung vom September 2014 und sind seither nicht aktualisiert worden; sie beschreiben nicht seinen heutigen Anteil. Belegbar ist, dass er über Jahre aufgestockt hat und zu den größten Einzelaktionären des Klubs zählt.
Das Gegenargument: Geskes Serie hat bisher keine Prognosekraft gezeigt: Wer ihm im August 2025 zu 3,67 € folgte, liegt gut 13 % im Minus, und auch die Tranchen vom Oktober und Dezember liegen unter Wasser. Ein Jahr, neun Käufe, über eine Million Euro — und der Kurs steht heute tiefer als am Anfang. Dazu kommt ein struktureller Einwand: Bei einem Fußballklub hängt der Kurs wesentlich an sportlichen Ergebnissen, die auch ein Aufsichtsrat nicht vorhersehen kann; der Informationsvorsprung, den Insider bei Auftragseingang oder Marge haben, existiert hier kaum. Und Cramers 50.868 € sind für einen Geschäftsführer ein überschaubarer Betrag.
Quellen: Bundesliga: Terminierung der Saison 2026/27 · Borussia Dortmund, Saison 2026/27 (Spielplan und Supercup) · DER AKTIONÄR: Aufsichtsrat Geske kauft weitere BVB-Aktien