Methodik
Wie wir Insiderkäufe einordnen und woran wir uns messen lassen — offen, damit jeder es nachprüfen kann. Die Texte entstehen KI-gestützt.
Woher die Daten kommen
Vorstände, Aufsichtsräte und ihnen nahestehende Personen müssen Geschäfte mit Aktien des eigenen Unternehmens melden (Directors' Dealings, Art. 19 der EU-Marktmissbrauchsverordnung). Wir lesen diese Meldungen täglich aus der BaFin-Datenbank und archivieren sie dauerhaft; die BaFin löscht sie nach etwa einem Jahr.
Dazu kommen das Leerverkaufsregister (Positionen ab 0,5 % der Aktien), die Stimmrechtsmeldungen (Großaktionäre ab 3 %) sowie Tageskurse und Börsenwerte.
Unser Urteil: drei Wörter
Jeder Kauf bekommt eine Einordnung mit einem von drei Urteilen, überall auf der Seite gleich:
- ● Beachtenswert
- Der Kauf trägt eine Aussage: ungewöhnlich im Betrag, im Zeitpunkt oder in der Zahl der Käufer, und ohne mechanische Erklärung. Nur an diesen Fällen lassen wir uns messen, sie stehen in der Bilanz, auch wenn sie danebenliegen.
- ○ Unauffällig
- Ein echter Kauf ohne besondere Aussage: eine Routinetranche, ein kleiner Betrag, ein Serienkäufer, der weiterkauft, ein Kauf nach einer guten, bekannten Nachricht. Der Regelfall.
- ⊘ Kein Signal
- Sieht nach einem Kauf aus, hat aber eine mechanische Erklärung: Vergütungs- oder Beteiligungsprogramm, Festpreis, vertragliche Anlagepflicht, Umbuchung im eigenen Umfeld, Anleihe statt Aktie.
Jede Einordnung ist gleich gebaut: Kurz gesagt, Was passiert ist, Was dafür spricht und Was dagegen spricht. Das Gegenargument ist Pflicht, eine Einordnung ohne Gegenargument wäre Werbung. Große Beträge, mehrere Käufer oder ein ungewöhnlicher Zeitpunkt werden ausführlich recherchiert, Routinekäufe kurz eingeordnet. Bis die Einordnung steht, trägt ein Fall „noch offen“. Urteile ändern wir nachträglich nie, auch nicht, wenn ein Fall schlecht läuft; neue Entwicklungen kommen als datierter Nachtrag.
Ein Fall ist eine Kaufserie, nicht eine Firma. Käufe derselben Firma mit höchstens 20 Tagen Pause bilden einen Fall; wer bis zu 30 Tage nach der Einordnung nachkauft, gehört noch dazu. Alles danach ist ein neuer Fall mit eigenem Urteil. Ausnahme sind nachweislich planmäßige Serien wie monatliche Programmkäufe.
Warum Käufe, nicht Verkäufe: Für einen Verkauf gibt es viele private Gründe, Steuern, Hauskauf, Streuung. Für einen Kauf mit eigenem Geld im Kern einen: Die Person hält den Kurs für zu niedrig. Die Forschung findet im Durchschnitt einen Informationswert, besonders wenn mehrere Insider derselben Firma kurz nacheinander kaufen. Einzelne Verkäufe ordnen wir deshalb nicht ein. Verkauft dieselbe Person an mindestens acht Tagen binnen 90 Tagen, zeigen wir das auf Unternehmens- und Personenseite als Beobachtung, ausdrücklich ohne Urteil.
Kein Urteil ist eine Kaufempfehlung: Es beschreibt, was ein Kauf aussagt, nicht was man tun sollte. Der Betreiber hält keine Aktien der eingeordneten Unternehmen; sollte sich das ändern, steht es an der betroffenen Einordnung.
Was wir automatisch prüfen
Unter jedem Urteil stehen die Fakten, auf die es sich stützt: Betrag, Kurslage, Käufer und, wo es eine gibt, die Beteiligung. Für die Auswertung weiter unten prüfen wir je Fakt eine feste Schwelle:
| Prüfung | Trifft zu, wenn … |
|---|---|
| Betrag | der Fall mindestens 0,05 % des Börsenwerts ausmacht und über 50.000 € liegt |
| Kurslage | mindestens 10 % unter dem 90-Tage-Hoch oder in einen fallenden Kurs hinein gekauft wurde |
| Käufer | mindestens zwei Insider binnen 14 Tagen kaufen, nicht alle zum selben Preis |
| Beteiligung | der Käufer bereits Großaktionär ist, mindestens 1 % des Unternehmens erwirbt oder zeitgleich ein strategischer Investor (keine Bank, kein Fondshaus) über 3 % meldet |
Die Kurslage sieht man auch: Die kleine Grafik an jeder Karte der Startseite zeigt den Kurs in den 90 Tagen vor dem Kauf, die Dreiecke sind die Kauftage. Sie endet beim Kauf, zeigt also nicht, wie es danach weiterging. Auf der Seite des Falls ist dasselbe Fenster im Kursverlauf hinterlegt.
Die Prüfungen sind Fakten, keine Note. Wie viele davon zutreffen, hat bisher nicht vorhergesagt, wie ein Kauf ausgeht (siehe unten). Deshalb entscheidet die Einordnung, nicht die Zählung.
Dazu erkennen wir automatisch:
- Geschäftsart
- Echte Käufe getrennt von Optionsausübungen, Schenkungen und Umbuchungen. Meldet die BaFin einen Kauf als „Sonstiges“ (oft ein Gemeinschaftsdepot), zählt er als Kauf, wenn die Pflichtmeldung des Unternehmens das belegt.
- Nur Aktien im Betrag
- Anleihen und Zertifikate führt die BaFin ebenfalls als „Kauf“. Sie stehen getrennt unter dem Fall, im Betrag zählen nur Aktien: Ein Gläubiger ist kein Aktionär.
- Umbuchung, Rückkauf
- Verkauft ein anderer Insider derselben Firma am selben Tag dasselbe Volumen zum selben Preis, mindestens eine Seite außerbörslich, wechseln die Aktien nur im eigenen Umfeld den Besitzer. Kauft jemand binnen 14 Tagen nach einem eigenen Verkauf höchstens so viel zurück, bleibt sein Bestand gleich. Beides zählt nicht als Kauf.
- Programm
- Kaufen drei oder mehr Insider binnen 14 Tagen zum exakt gleichen Preis, spricht das für ein Options- oder Mitarbeiterprogramm.
- Hinweise
- Persönlich oder über Holding/Angehörige · außerbörslich (mit Preisabstand zum Börsenkurs) · gegenläufige Verkäufe anderer Insider binnen 14 Tagen · erster oder wiederholter Kauf · Kauf nach Quartalszahlen (binnen 10 Börsentagen) · Meldung spät (ab 5 Börsentagen Verzug) · Leerverkäufer bauen seit dem Kauf auf oder ab (ab 0,25 Prozentpunkten).
Wie wir uns messen
Eine Messung für alle Urteile: Wie hat sich die Aktie entwickelt, seit unsere Einordnung erschienen ist — 20 und 60 Handelstage lang, abzüglich des Vergleichsindex im selben Zeitraum (DAX für große, MDAX für mittlere, SDAX für kleine Werte und Werte ohne bekannten Börsenwert). Wir starten mit dem Schlusskurs des ersten Handelstags nach Erscheinen. So messen wir nur, was ein Leser mit unserer Einordnung hätte tun können, und nichts, was wir beim Schreiben schon wussten. Nachträge und spätere Käufe verschieben den Start nicht. Die Differenz in Prozentpunkten ist die ehrlichste Zahl: Wer im Ausverkauf 5 % verliert, während der Markt 15 % fällt, lag richtig. Bilanz und diese Seite zeigen dieselben Werte.
Die Spalte „Aktie seither“ in den Kauftabellen ist etwas anderes: Sie zeigt, wie sich die Aktie seit dem jeweiligen Kauf des Insiders entwickelt hat — eine Angabe über den Insider, nicht über unser Urteil.
Geändert am 03.10.2026. Bis dahin haben wir ab dem ersten Kauf gemessen. Weil manche Einordnungen erst Wochen nach dem Kauf erschienen, floss so Kursverlauf in die Bilanz ein, den wir beim Urteilen schon kannten. Größter Effekt: Meta Wolf stand mit +108 Punkten in der Bilanz, ab Erscheinen gemessen sind es −16.
| So steht es auf der Seite | Seit der Einordnung | Lesart |
|---|---|---|
| noch zu frisch | unter 20 Handelstagen | Rauschen. Wir zeigen höchstens den Stand von heute, ohne Wertung. |
| nach 20 Handelstagen (vorläufig) | ab 20 Handelstagen | Der 20-Tage-Wert steht, eine Richtung zeichnet sich ab. |
| nach 60 Handelstagen (endgültig) | ab 60 Handelstagen | Der 60-Tage-Wert steht, er zählt als Ergebnis. |
Das Ergebnis für unsere Urteile, mit jedem Datenstand neu gerechnet:
| Urteil | 20 Tage: vor dem Index | Median | 60 Tage: vor dem Index | Median |
|---|---|---|---|---|
| Beachtenswert | 13 von 28 | −1,0 | 9 von 13 | +6,9 |
| Unauffällig | 21 von 47 | −2,6 | – | – |
| Kein Signal | 2 von 14 | −4,4 | 1 von 2 | −1,0 |
Median in Prozentpunkten gegenüber dem Index. Urteile gibt es erst seit Mitte 2026, die Fallzahlen sind klein. Wir zeigen sie trotzdem von Anfang an, bevor wir wissen, wie sie aussehen werden. „Kein Signal“ ist die Gegenprobe: Läuft die Aktie danach nicht besser als der Markt, war das Aussortieren richtig.
Dieselbe Messung über alle Käufe des Archivs, nach der Zahl der zutreffenden Prüfungen. Hier gibt es keine Einordnung; gemessen wird deshalb ab dem Handelstag nach der Veröffentlichung der ersten Meldung, dem frühesten Tag, an dem man vom Kauf wissen konnte:
| Prüfungen erfüllt | 20 Tage: vor dem Index | Median | 60 Tage: vor dem Index | Median |
|---|---|---|---|---|
| 0 | 34 von 72 | −0,4 | 32 von 60 | +1,2 |
| 1 | 63 von 156 | −2,3 | 44 von 122 | −6,4 |
| 2 | 33 von 86 | −1,2 | 32 von 72 | −4,2 |
| 3–4 | 16 von 31 | +1,0 | 9 von 27 | −7,9 |
So lesen wir das: Mehr erfüllte Prüfungen bedeuten bisher keinen besseren Kursverlauf. Das ist die ehrliche Grenze jeder rein regelbasierten Auswertung und der Grund, warum am Ende ein recherchiertes Urteil steht. Die Datenbasis ist ebenfalls begrenzt: gut ein Jahr, eine Marktphase. Aus der Forschung ist bekannt, dass Insidereffekte eher klein sind und sich über 6 bis 12 Monate zeigen.
Leerverkäufer und Großaktionäre
Was andere große Marktteilnehmer tun, während Insider kaufen, ist Kontext: Ein Leerverkäufer, der neu gegen die Aktie wettet, oder ein Großaktionär, der aussteigt, spricht gegen die Kaufthese; einer, der seine Wette schließt oder zeitgleich aufstockt, dafür. Wir zeigen das im Kasten „Wie es seither lief“ auf der Seite jedes Falls. Das Etikett „stützt die These“ oder „gegen die These“ tragen nur beachtenswerte Fälle, denn nur dort stellen wir eine These auf. Die Unternehmensseiten zeigen den aktuellen Stand beider Register; bei den Großaktionären steht eine Beteiligung in einer Zeile, auch wenn das Register sie mehreren Gliedern einer Kette zurechnet. Weil jedes Über- und Unterschreiten einer Schwelle (3, 5, 10, 15, 20, 25, 30, 50, 75 %) gemeldet werden muss, liegt ein Anteil ohne neue Meldung bis heute im selben Band; bei Meldungen, die älter als ein Jahr sind, nennen wir dieses Band. Die Bewegungs-Tabelle jede einzelne Meldung.
Gezeigt werden nur wesentliche Bewegungen: bei Leerverkäufern neue und geschlossene Positionen sowie Änderungen ab 0,2 Prozentpunkten (kleinere Schritte sind Positionspflege), bei Großaktionären Ein- und Ausstiege über 3 %, ohne das tägliche Pendeln von Banken um die Meldeschwellen.
Das Datum heißt hier etwas anderes als bei Insiderkäufen: Bei Leerverkäufen markiert es den Tag, an dem eine Meldeschwelle überschritten wurde, die Position kann sich über Wochen aufgebaut haben. Bei Stimmrechten ist es der Veröffentlichungstag; das Geschäft kann bis zu etwa 9 Handelstage davor liegen. Stimmrechtsveränderungen erfassen wir seit dem 09.07.2026, Positionen unter 0,5 % beziehungsweise 3 % sind unsichtbar.
Grenzen
Wir beschreiben und ordnen ein, wir empfehlen nicht. Nichts auf dieser Seite ist Anlageberatung oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Insiderkäufe sind ein Indiz unter vielen: Auch Vorstände irren sich. Wer investiert, trägt die Verantwortung selbst.
- Meldeschwelle
- Meldepflichtig sind Eigengeschäfte, sobald ihre Summe 50.000 € im Kalenderjahr und Person erreicht (bis 2025: 20.000 €). Danach wird jedes weitere Geschäft gemeldet, auch Nachkäufe von wenigen tausend Euro. Kleine Beträge sind deshalb kein Fehler.
- Verzögerung
- Meldungen kommen bis zu drei Geschäftstage nach dem Geschäft, die Veröffentlichung bis zu zwei Tage später. Echtzeit ist das nicht. Manchmal schaltet die BaFin auch mehrere Tage lang gar nichts frei; die Leiste oben auf jeder Seite nennt dann das Datum der letzten BaFin-Meldung.
- Archivtiefe
- Unser Archiv reicht bis Juli 2025 zurück und wächst täglich. Ältere Meldungen sind öffentlich nicht mehr verfügbar.
- Kleine Werte
- Bei sehr kleinen Unternehmen können schon geringe Umsätze den Kurs bewegen; die Kurszahl sagt dort weniger.